Wintergerichte

Geschichten Zeeuwse Ankers

,Hutspot’, ,Stamppot’ und Erbsensuppe: Sie sind alle verwandt. Sie entstanden aus Eintopfgerichten, wie sie im Mittelalter gegessen wurden. Die verschiedenen Komponenten wurden dann miteinander vermischt, aber noch nicht gestampft. Die gestampften Eintöpfe (Stamppot) entstanden erst im 20. Jahrhundert.

Essen aus dem Topf, Walcheren 1953 (ZB, Bilddatenbank Zeeland).

Essen aus dem Topf, Walcheren 1953 (ZB, Bilddatenbank Zeeland).

Eintöpfe

Im Mittelalter wurde das Essen in einem großen Topf oder Kessel zubereitet, der über dem offenen Feuer im Herd hing. Man sprach auch von Hussepot oder Husselpot, nach dem ,Husselen’, dem Mischen von Zutaten. Daraus leitet sich der Name ‘Hutspot’ ab. Hutspot ist bekannt als das Gericht, das die Spanier in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1574 bei Leiden zurückließen, als sie Hals über Kopf davonrannten. Der Kessel enthielt wahrscheinlich eine Mischung aus Pastinaken, Karotten, Zwiebeln und Fleisch. Aber nicht die gestampften Kartoffeln, Karotten und Zwiebel, wie wir den Hutspot von heute kennen.

Es gab auch flüssige Eintopfgerichte. Diese enthielten Gemüse, Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen) und Fleisch. Eine solche Mischung köchelte stundenlang auf dem Feuer. Diese Gerichte wurden Pottagie, Pottage oder Soppe genannt. Daraus ist unsere Erbsensuppe entstanden.

,Vosse Soppen’

Bis zum 20. Jahrhundert waren die ,Vosse Soppen’ in Zeeland bekannt. Vosse ist Zeeländisch für frisch. Alles, was bei der Hausschlachtung nicht geräuchert, gesalzen oder gefettet wurde, wurde als vos bezeichnet. Soppen ist eine Anspielung auf das flüssige Eintopfgericht. Die Vosse Soppen bestehen aus Birnen, Rüben und Kartoffeln, die mit dem Schweinefett oder dem Fleischsaft des geschlachteten Schweins gekocht oder übergossen wurden. Sie wurden mit Brot gegessen, das ebenfalls einige Zeit im Fett eingeweicht (,soppen’) worden war.

Herstellung von Weißwurst nach Hausschlachtung in Westkapelle, 1961 (Het Polderhuis Westkapelle, Foto N. Flipse-Roelse).

Herstellung von Weißwurst nach Hausschlachtung in Westkapelle, 1961 (Het Polderhuis Westkapelle, Foto N. Flipse-Roelse).

Jan Vader, der über das Leben auf dem Lande von Walcheren publizierte, hat über ein solches Essen um 1900 berichtet. Die Vosse Soppen fanden am Abend nach dem Tag der Hausschlachtung (,Keutjesdag’) im November statt. Zu diesem Fest wurden oft Verwandte und Nachbarn eingeladen. Das Essen begann mit Kaffee. Dann folgte der erste Gang: Teller mit zu Krümeln geschüttelten Kartoffeln, mit ganzen geschälten Rüben, mit gekochten, ungeschälten Birnen und einer kleineren Schüssel Brot. Das Brot war einige Zeit im heißen Schweinefett eingeweicht und komplett davon durchtränkt. Die Rüben und Birnen wurden auch im Schweinefett gekocht.

Wenn das noch nicht genug wäre, wurde danach noch ein Gang serviert. Diese bestand aus einer riesigen Platte, auf der fast alle Innereien und anderen Reste des Schweins gesammelt wurden: große Stücke des schweren Schweinekopfes, der vordere Teil des Rückens, die Zunge, Nieren, Herz, der größte Teil der Leber sowie die Ohren und Beine. Auch der Schwanz und die Lunge waren manchmal Teil dieses Gerichts, über deren Geschmack man jedoch streiten kann. Zu all dem wurde selbstgebackenes Brot gereicht. Angeblich haben sich alle dieses Essen schmecken lassen und nach dem Essen, so Jan Vader, wurde es danach nicht gerade wenig gefurzt und gerülpst.

Stamppot

Im 18. Jahrhundert fingen immer mehr Menschen an, Kartoffeln zu essen. In den Rezepten wurden Kartoffeln mit geräuchertem Speck oder Wurst und mit Grünkohl (der ab dem 19. Jahrhundert ,Boerenkool’, Bauernkohl genannt wurde), Sauerkraut, Karotten, Apfelkompott oder geschmorte Birnen kombiniert. In allen Fällen waren die verschiedenen Komponenten noch zu erkennen. Also ein ,Husselpot’, ein Mischtopf, die Teile wurden noch nicht zu einem Brei zerstampft. Stamppot, in denen das Gemüse und die Kartoffeln püriert werden, tauchte erst im 20. Jahrhundert auf. Der zeeländische Name für stamppot ist prol. Es gibt zum Beispiel Appelprol (Apfelmus), Lauchprol und Juunprol (Zwiebeleintopf).

Nieuwjaarskost

Ein Gericht, das entfernt an den Hussepot vergangener Zeiten erinnert, ist die Nieuwjaarskost, das Neujahrsessen, wie es in Zeeuws-Vlaanderen rund um Terneuzen, Hoek, Zaamslag und Axel gegessen wird. Es ist eine Mahlzeit, die für die Verwandten bestimmt ist, die am Neujahrstag ein frohes neues Jahr wünschen. Es ist schmackhaft und einfach, angenommen, alle sind noch satt von den Leckereien, die sie in der Silvesternacht gegessen haben. Das Gericht besteht aus Kartoffeln, weißen Bohnen, gesalzenen grünen Bohnen und Wurst. Die Wurst wird leicht gekocht und die Brühe wird aufgefangen. Die weißen und grünen Bohnen werden zuerst eingeweicht und dann in einer Pfanne gekocht. Die Kartoffeln werden separat gekocht und dann mit einigen Löffeln Brühe zu den Bohnen gegeben. Am nächsten Tag (Neujahr) wird die Pfanne mit Kartoffeln und Bohnen und die Pfanne mit Wurst und Brühe aufgewärmt. Nichts wird zerstampft. Deshalb erinnert so eine Pfanne mit Bohnen und Kartoffeln ein wenig an die Eintopfgerichte von damals. Traditionelle Winterkost für den starken Start ins neue Jahr.