Seehäfen

Geschichten Zeeuwse Ankers

Mit Zeeland Seaports verfügt Zeeland nach Rotterdam über einen der größten Häfen der Niederlande. Der Hafen von Zeeland Seaports liegt auf zwei Seiten der Westerschelde. In Terneuzen und Vlissingen-Ost (auch oft Schlehengebiet genannt). Dort gibt es Hafen- und Industriegebiete. Diese gehören immer zusammen. Die Hafenindustrie floriert in Zeeland, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Politiker in Den Haag in den 60er Jahren beschlossen, aktiv Industrie nach Zeeland zu locken.

Schiffbau

Schiffbau war für viele Jahre ein wichtiger Wirtschaftszweig in den Häfen von Zeeland. Aber als Motorschiffe eingeführt wurden, verschwanden viele der kleineren Werften in Zeeland. Einige größere Unternehmen überlebten. Es gibt zum Beispiel noch eine große Werft am Kanal durch Zuid-Beveland, bei Hansweert. Am bekanntesten ist jedoch ohne Zweifel die Koninklijke Maatschappij De Schelde (heute Damen/Amels) in Vlissingen. Dieser Ruf ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die Werft sehr stark mit der Stadt verbunden war. Immerhin wurde ein Teil des Stadtzentrums der Werft geopfert. Als hier ein großes Schiff gebaut wurde, konnte man es langsam über der Stadt hinaus wachsen sehen. Auch die wenigen Vlissinger, die nicht für die Schelde arbeiteten, konnten so den ganzen Bauprozess verfolgen.

Die Gelderland (schwarzes Schiff) und die Soerakarta (weißes Schiff) auf der Werft De Schelde (ZB, Bilddatenbank Zeeland, Schelde Fotoarchiv). Die Surakarta wurde am 13. Januar 1913 geliefert.

Die Gelderland (schwarzes Schiff) und die Soerakarta (weißes Schiff) auf der Werft De Schelde (ZB, Bilddatenbank Zeeland, Schelde Fotoarchiv). Die Surakarta wurde am 13. Januar 1913 geliefert.

Buitenhavens

Die Werft De Schelde wurde von Damen/Amels übernommen und konzentrierte sich auf Superyachten. Das Unternehmen zog mehr in Richtung Buitenhavens. Heutzutage liegen hier immer ein paar Superyachten vor Anker, die Sie vom Koningsweg aus bewundern können. Vielleicht eine nicht so dominante Präsenz wie die Schiffe in vergangenen Zeiten, aber sicherlich nicht weniger beeindruckend. Das alte Gelände wurde nun teilweise wieder für Wohnzwecke freigegeben. Obwohl es hier und da noch Erinnerungsstücke aus der Blütezeit von De Schelde gibt, wie zum Beispiel den alten Scheldekran.

Der Scheldekran beim Event Vlissingen Maritiem im August 2012.

Der Scheldekran beim Event Vlissingen Maritiem im August 2012.

Sloegebied

Der Binnenhaven war zwar schon etwas weiter vom Zentrum entfernt, doch für den nächsten Schritt – den Bau eines komplett neuen Hafenareals – zog er Kilometer östlich ins Sloegebied.

Die Regierung war bestrebt, die Beschäftigung außerhalb der Randstad-Agglomeration zu fördern. Das Sloegebied wurde mit staatlicher Unterstützung zu einem großen Hafen- und Industriegebiet ausgebaut. Zwei große Firmen (Pechiney und Hoechst) die sich dort niederlassen wollten, benötigten viel billigen Strom. Deshalb wurde das Atomkraftwerk von Borsele gebaut. Nicht ganz unumstritten: es gab keine Lösung für die Abfalllagerung und es war eine Kontamination der Westerschelde durch das Kühlwasser zu befürchten. Es gab viel Widerstand. Die Tatsache, dass das Kraftwerk billigen Strom lieferte, sorgte für den Erfolg des Sloegebied. Es ließen sich noch viele andere große (Chemie-)Unternehmen dort nieder.

Sie können das Sloegebied nicht ohne Erlaubnis besuchen, aber in den Sommermonaten finden regelmäßige Hafenrundfahrten statt. Die Schiffe auf dem Weg zum Hafen können Sie auch vom Vlissingen-Boulevard aus sehen. Sie können den Sloehaven und die dazugehörigen Unternehmen auch bei Spaziergängen oder Radtouren sehen. So haben Sie einen perfekten Blick auf die Umgebung von Fort Rammekens. Und am Strand des Kaloot, etwas außerhalb von Borssele, sind Sie ganz in der Nähe des Atomkraftwerks. Übrigens, wenn Sie mehr über das Kraftwerk erfahren möchten, gibt es auch dieses Video aus dem Zeeland-Kanon (in der niederländischen Sprache).

Der Bau des Kernkraftwerks, Foto von 1970 (ZB, Bilddatenbank Zeeland).

Der Bau des Kernkraftwerks, Foto von 1970 (ZB, Bilddatenbank Zeeland).

Terneuzen

Ein zweites Seehafengebiet wurde bei Terneuzen entwickelt. Hier ließ sich in den 60er Jahren das amerikanische Unternehmen Dow Chemical an der Westerschelde nieder. Dow entschied sich letztendlich für Terneuzen, weil hier alles getan wurde, um die Bedingungen für das Unternehmen ideal zu machen. Beispielsweise durften sie das Grundstück in Terneuzen erwerben, zudem wurde dies auch von der Gemeinde baureif gemacht. Zur Erweiterung des Unternehmens wurden neue Flächen rekultiviert, ein neuer Hafen gebaut und der Kanal von Gent nach Terneuzen vertieft. Und das bot natürlich auch vielen anderen Unternehmen viele Möglichkeiten.

Wenn Sie die Hafenaktivitäten in Terneuzen erleben möchten, müssen Sie den Portaal van Vlaanderen besuchen (mit Blick auf die Seeschleusen und einer Bootsfahrt auf dem Kanal von Gent nach Terneuzen). Am Westpier des Veerhaven gibt es auch einen Standort für Schiffsspotter. Mit dem Fernglas können Sie dort alle Details der vorbeiziehenden Meeresriesen erfassen.

Arbeitsplätze

Die Pläne, Zeeland dabei zu helfen, sich wirtschaftlich zu verbessern, hatten Erfolg. Sie haben Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen und sogar einem Bevölkerungsrückgang entgegengewirkt. In den 70er Jahren ließen sich fast 25.000 Menschen mehr in Zeeland nieder als abwanderten. Die chemische Industrie ist (neben dem Tourismus) nach wie vor der wichtigste Motor der zeeländischen Wirtschaft. Gleichzeitig wächst heute die Bevölkerung nicht mehr so stark. Wer weiß? Ist es wieder Zeit, neue Pläne zu schmieden?